Online Kondolenzbuch für Hermann Bausinger

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Thomas Hauschild Thomas Hauschild schrieb am Dezember 2, 2021 um 6:16 p.m.
Hermann Bausinger habe ich 1982 kennen gelernt, als damals schon sehr berühmten Reformator der Deutschen Volkskunde (unter diesem Namen hatte ich sein Fach noch in Hamburg im Nebenfach studiert). Ich kam aus den Europa-Abteilungen der Völkerkundemuseen Hamburg und Berlin und war neu im Feld zwischen Empirischer Kulturwissenschaft, Europäischer Ethnologie und Ethnologie/Sozialanthropologie Europas. Bausingers gutmütige und großzügige Art des Umgangs mit eher nervösem Nachwuchs wie mir war damals sehr hilfreich für mich. Mehrfach hat er mich später bei schwierigen Bewerbungen unterstützt, ohne viel Aufhebens darum zu machen. Leider habe ich in meinen Jahren als Tübinger Ethnologieprofessor (1992-2006) die Chance verpasst, im Zusammenspiel mit ihm, dem LUI und mit der damals florierenden Tübinger Religionswissenschaft z.B. groß angelegte intensive Feldforschungen über Alltagspraktiken, Religion und Ökonomie in Schwaben zu starten. Heute wüsste ich gerne mehr darüber, lese viel in seinen Schriften über Schwaben und habe dabei immer das Bild dieses freundlichen und scharfsinnigen ... ja ... Herren vor Augen, der er stets war und blieb. Die Rivalität der Fachkulturen war stärker. Trotzdem habe ich ihn niemals ungeduldig oder gar ärgerlich mit mir erlebt - manchmal hätte er wohl Grund dazu gehabt. Hermann Bausinger hatte in dieser Hinsicht etwas Nobles, dem nachzueifern ich mich viel zu spät im Leben entschlossen habe.
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